
Es waren einmal … zwei Tankstellen in der Einfelder Dorfstraße. Viele erinnern sich noch an die dort ansässige, familiengeführte ARAL Tankstelle Kröger. Hier wird aber die andere berichtet, als Beispiel über den wirtschaftlichen Wandel eines Einfelder Betriebes im 20. Jahrhundert. Das Titelfoto vom 24.12.1995 zeigt sicherlich keine aktuellen Benzinpreise. Es handelt sich sogar um DM-Preise. Es war aber festzustellen, dass im Jahre 2009 fast diese Preise an anderen Tankstellen gezeigt wurden, jedoch in Euro.
Für diese Geschichte hat Marita Hinz, geb. Raasch, in ihrem Schatzkästchen gekramt und alte Erinnerungen wach werden lassen. Und die Geschichte erzählt von einer Tankstelle an der Ecke Dorfstraße/Kieler Straße. Diese Stück Geschichte in Einfeld fing mit der Schätzungsnachweisung Nr. 143 vom 07.08.1931 für einen Gebäudekomplex des Schlossermeisters Carl Schümann an der Ecke Dorfstrasse und Hamburger Chaussee an. In dem Schriftstück wird die vorhandene Schmiede als 17 Jahre altes Gebäude beschrieben und mit 12.200 Reichsmark(RM) Baukosten beziffert. Für 17.500 RM war ein Wohn- und Geschäftshaus nebst nebenstehender Schlosserwerkstatt errichtet worden. In dem Schätzungsnachweis wird mit einem Arbeitslohn pro Arbeitsstunde von einer Reichsmark für den Zimmer- und Maurergesellen, 40 Reichspfenning (RPf) für den Lehrling und 70 RPf für den Arbeiter gerechnet.
In dem Wohn- und Geschäftshaus verkaufte Else Schümann in dem kleinen Eckladen bis weit ins hohe Rentenalter Getränke, Süssigkeiten aus dem Bonbonglas, Kaffee, Tabakwaren und viele andere, kleine Dinge des täglichen Bedarfs. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Tatsache, dass die alten Einfelder Bauern dort ihren Priem kauften. An der Luftbildaufnahme von 1985 sieht man, dass der Laden an der Ecke zu dem Zeitpunkt nicht mehr besteht und der Eingang inzwischen zugemauert worden war.
An der Tankstelle, die von Rudi Schümann betrieben wurde, die Benzinmarke NITAG ab 1953 verkauft. Ein paar Jahre später erfolgte der Wechsel zur Marke GASOLIN. Ab 1964 wurde die Tankstelle von Günter Raasch gepachtet. Anfang der 70er erfolgte der Wechsel zu ARAL, der Vertrag lief Ende 1980 aus. Ab dem Jahre 1981 war es dann die Marke AVIA, die an der Tankstelle vertrieben wurde. Damit verbunden war auch der Beginn einer SB-Tankstelle. Sie wurde aber weiterhin als Service-Punkt für Klönschnack und mehr genutzt. Wie Marita berichtet, passten ohne Probleme zehn Personen ins kleine Kassenhäuschen. Die Tankstelle wurde noch bis 1995 betrieben. Aus Altersgründen wurde der Benzinverkauf von Günter Raasch eingestellt und die Tankstelle mit samt den Zapfsäulen wenig später abgebaut.
Als das Gebäude der alten Schmiede im Januar 1988 von der Firma Walter Schröder mit schwerem Gerät abgerissen wurde, war es für viele der Familien Schümann und Raasch ein sehr trauriger Moment. Die Schmiede machte Platz für eine neue Werkstatthalle. Im März 1988 wurde die neue Halle fertig gestellt und Kfz-Meister Jörg Raasch begann mit dem Werkstattbetrieb. Im Meisterbetrieb war ein weiterer Mitarbeiter beschäftigt. Leider verstarb Jörg Raasch sehr überraschend, jung an Jahren, im Jahre 2006. Ab dem Zeitpunkt wurde die Kfz-Werkstatt von Maike Raasch geführt. Sie beschäftigte zwei Mitarbeiter. Im Laufe der Jahre wurde die Werkstatt von Thorsten Menke als Zweigstelle genutzt, wenig später als Hauptsitz seiner Firma umgebaut.
Quellen: (1.) Aufzeichnungen und Fotos von Marita Hinz (2.) Protokolle einiger (acht) Beiratssitzungen zwischen 1985 und 1987 unter dem Titel „Ehem. ARAL Tankstelle“






