Aktiv und Aktuell > Gemeinschaften > Straßengemeinschaft Fuhrkamp (ehem. Weidestraße)

Über 700 Meter ist der Fuhrkamp in Einfeld lang. In der östlichen Hälfte stehen die Finnhäuser. In der westlichen wurdem im Jahr 1953 sogenannte Vorratseigenheime in der damaligen Weidestraße errichtet. Im Mai 1993 feierte man ein großes Straßenfest und Heinz Schnaedelbach brachte mit hilfreicher Unterstützung eine Festschrift heraus. Diese Aufzeichnung ist Grundlage dieses Berichtes und es wird überwiegend der Urtext wiedergegeben. Die Bilder stammen aus der Festschrift, in der auch das Urheberrecht der Fotos festgehalten wurde.

„Mein Rückblick auf 40 Jahre Weidestraße/Fuhrkamp erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe aufgeschrieben, was mir aus der Erinnerung noch bekannt ist. Für die neu eingezogenen Bewohner vielleicht ein kleiner Einblick, was sich in 17 Jahren Weidestraße und 23 Jahren Fuhrkamp ereignet und gewandelt hat. Bei den Alteingesessenen wird es manche Erinnerung an die damaligen Zeiten wecken. Sind 40 Jahre Weidestraße bzw. Fuhrkamp ein Grund für ein Straßenfest? Die Häuser existieren seit dem Jahr 1953. Grund genug, sich an die Anfänge der Weidestraße zu erinnern und den Nachbarn vom anderen Ende der über 700 Meter langen Straße mal kennen zu lernen.

Wie begann es in der Weidestraße und was ist in 40 Jahren alles passiert? Genau genommen müssten wir bereits 50-jähriges Bestehen der Weidestraße bzw. Fuhrkamp feiern. In den Kriegsjahren 1941-43 wurde in Einfeld die Finnhaus-Siedlung errichtet. Hier fanden die ausgebombten Kieler Familien eine Bleibe. Sieben dieser aus Finnland importierten Doppelhäuser stehen eben auch seit nunmehr 50 Jahren im Fuhrkamp. Die  Größe der vollerschlossenen Grundstücke lag bei  400-600 m2. Mit vier Wohn- und Schlafräumen, Einbauküche mit kombiniertem 2-flammigen Gas-Kohleherd und Warmwasserbereiter, Vollbad und moderner Mehrzimmer-Heizung war die Ausstattung dieser Häuser für damalige Verhältnisse schon recht komfortabel. Acht Jahre nach Kriegsende und fünf Jahre nach Einführung der D-Mark war dieses für viele Wohnungssuchende ein verlockendes Angebot, um in Einfeld sesshaft zu werden.

Der erste Bedarf an Gebrauchsgütern war gedeckt und viele Bürger waren auf der Suche nach besserem und größerem Wohnraum. Wir wohnten zu dieser Zeit mit unserer 4-köpfigen Familie im Bootshaus des Ruderklubs in der Birkenallee. Die Größe des über der Bootshalle in Selbsthilfe ausgebauten Wohnraumes betrug 42 qm, ohne Dusche und WC, ohne fließend Warm- und Kaltwasser. Zum Baden hatten wir aber den Einfelder See vor der Haustür. Zumindest in den Sommermonaten machten wir davon reichlich Gebrauch. In ähnlichen Verhältnissen lebten wohl viele Wohnungssuchende zur damaligen Zeit.

Nach Kriegsende stiegen ja bekanntlich die Geburtenraten sprunghaft und so waren besonders viele junge Familien auf der Suche nach einem geeigneten und größerem Heim. Der Preis von ca. 20.000 DM war im Verhältnis zu den damaligen Einkommen nicht eben niedrig. Große Rücklagen und Vermögen hatten wohl die Wenigsten der Kaufinteressierten bis dahin ansammeln können. Aber bei Ausschöpfung aller Finanzierungsmöglichkeiten wie Hypotheken, Aufbau- und Arbeitgeberdarlehen und eigenen Barmitteln waren die Belastungen für Tilgung und Zinsen gerade noch tragbar. Trotzdem schreckten viele Interessenten vor dem Kaufpreis zurück, sodass sich die „Neue Heimat“ veranlasst sah, den weiteren Verkauf der Häuser einem Makler zu übergeben. Damit erhöhte sich aber der Kaufpreis um 2%. Zeitweilig kursierte in Einfeld für dieses Bauprojekt die Bezeichnung “Millionenviertel“.

Im Haus Nr. 25 oder 27 war eine Musterwohnung eingerichtet. Im Sommer 1954 pilgerten wir fast ein Mal pro Woche mit Kind und Kegel von der Birkenallee zur Weidestraße, um uns diese schönen, neuen Häuser anzuschauen. Aber wie sollten wir das bezahlen? Mit 400 DM barem Geld in der Tasche und trotz vieler Bedenken nahmen wir das Wagnis auf uns und der Weg zu Ämtern und Behörden begann. So erfüllte sich schließlich unser Wunsch nach einem "Eigenem Heim". Bis zum Jahresende 1954 waren, bei durchschnittlich vier Personen pro Haushalt, ca. 244 Bürger, Einheimische, Flüchtlinge, Zugereiste, glücklich, eine "Neue Heimat" gefunden zu haben und brachten somit neues Leben in die Weidestraße.

In der Weidestraße wurde aber nicht nur gewohnt, Handel Gewerbe etablierten sich hier. Neben einer Wäscherei mit Heißmangel gab es auch einige Stubenläden, einen selbstständigen Schneidermeister, eine Bürsten- und Pinselfabrikation und zwei Versicherungsagenturen. Einige Jahre später wurde in der Weidestraße 22 ein modernes Lebensmittelgeschäft eingerichtet. Diese Einkaufsquelle vor der Haustür stand uns leider nur wenige Jahre zur Verfügung. Zurzeit  bieten folgende Gewerbe im Fuhrkamp ihre Leistungen an: ein Elektroinstallations- und Reparaturbetrieb, eine Heißmangel,  eine Firma betreibt den Bau von Antennenanlagen und „last not least“ haben wir auch einen Getränkeshop in unserer Straße. Seit Jahren steht uns für soziale Dienste die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf dem ehemaligen Sportplatz zur Verfügung.

Nachdem die Häuser durch Abschluss der Kaufverträge, in der Regel etwa nach einem Jahr, in Eigentum übergangen waren, sah man bereits vereinzelte Bautätigkeiten, überwiegend in Eigenhilfe. So entstanden zunächst zwischen den Häusern Verbindungsmauern mit Garagen. Es folgten Terrassen, Essecken und Wohnzimmer. Wo die Grundstücksverhältnisse es zuließen, wurden die Häuser vom Keller bis zum First um 4-5 Meter verlängert. Leider stellten sich aber auch an der Bausubstanz der Häuser erste Mängel ein. Die Dachpfannen waren von schlechter Qualität, teilweise blätterte der Außenputz ab, die nicht verzinkten Stahlfenster zeigten erste Rostpocken, die Fensterlaibungen waren z. T. mangelhaft verputzt, die Haustüren verzogen sich und waren somit undicht, die Schiebetüren der Hängeschränke in den Einbauküchen fielen heraus. Durch die Verwendung von nicht abgelagertem Holz waren die Fußbodendielen so stark geschrumpft, dass 5-10 mm breite Fugen entstanden waren.

So wurden im Laufe der Jahre von den Eigentümern erhebliche Summen investiert, um die Gebäude zu erhalten, zu verbessern und zu vergrößern. Nach etwa 10-12 Jahren wurden bereits die ersten Dächer erneuert. Es folgten Haustüren und Fenster. Da die Fenster nur Einfachverglasung hatten, waren die Wärmeverluste nicht unerheblich. Obwohl Energiesparen in der 60er Jahren noch keine gravierende Bedeutung hatte, wurden durch den Einbau von Fenstern und Türen mit Isolierverglasung erste energiesparende Maßnahmen durchgeführt. Auch die einst als moderne Mehrraumheizung angepriesene „Summa-Feuerung“ wurde durch neue Heizungsanlagen ersetzt. Allerdings war sie bei sachgemäßer Bedienung und Beschickung mit Koks der Körnung III eine durchaus angenehme Wärmequelle.

Aber sie verursachte eben auch Arbeit, Staub und Asche. Wo blieben Asche und Müll damals? Einmal wöchentlich kam Herr Urban mit einem Gummiwagen, welcher von einem Pferd gezogen wurde, durch die Weidestraße gefahren und entleerte unsere Mülleimer. Bei den bei vorherrschenden westlichen Winden wurden dann Asche und Papierfetzen durch die Gegend gewirbelt. Auf der Westseite des „Roschdohler Weges“, zwischen  Stoverbergskamp und  Kreuzkamp, befand sich eine kleine Deponie, wo der Müllwagen entleert wurde. Von Umweltverschmutzung sprach damals noch niemand. Vor  30 Jahren war Heizöl noch ein billiger Brennstoff. So wurden damals die „Summa-Feuerungen“ zunehmend durch Zentralheizungen ersetzt. Gasheizkessel,  Heizthermen und Nachtspeicherheizungen wurden installiert. Heute sind auch diese Anlagen bereits wieder veraltet und wurden durch moderne energiesparende und umweltschonende Heizungssysteme ersetzt.

Durch die teilweise Verblendung der Fassaden änderte sich das äußere Bild der „Weidestraße“ zunehmend. Auch das Wachstum der Bäume und Sträucher trug hierzu bei. Im Innern der Häuser vollzog sich ebenfalls ein Wandel. Welche Hausfrau, Hausmänner gab es meines Wissens damals noch nicht, mochte noch im Keller stehen und im Waschkessel  Wäsche waschen. Moderne Waschmaschinen waren die willkommenen Helfer unserer Frauen. Küchen und Bäder wurden gekachelt, neue Sanitäreinrichtungen und Armaturen installiert. Beim Erneuern der Dächer waren die kleinen Dachluken bereits durch größere Dachflächenfenster ersetzt worden.

Mit der Eingemeindung Einfelds erfolgte 1970 dann die Umbenennung der Weidestraße in Fuhrkamp. In den folgenden Jahren vollzog sich ein weiterer Wandel in unserer Straße. Viele Häuser gingen in den Besitz einer jüngeren Generation über. Nach meiner Kenntnis sind noch etwa 18 Häuser im Besitz der "Ureinwohner" der ehemaligen „Weidestraße“. Sechs der jetzigen Eigentümer sind als Kinder in unserer Straße aufgewachsen. Und noch immer hat das Aus- und Umbauen kein Ende. Auf der Suche nach äußerlich erkennbaren Relikten aus der Vergangenheit fand ich noch vier Außenleuchten neben den Haustüren. Selbst Stahlfenster und -türen sind noch einige vorhanden. Bemerkenswert ist aber auch, dass noch einige Einbauküchen in ihrer ursprünglichen Form existieren.

Seit dem vorigen Jahr hat der Fuhrkamp einen Ableger, die Sackgasse Fuhrkampseck. Im Jahre 2032 wird vielleicht ein Bewohner die Geschichte vom Fuhrkampseck mit Hilfe einer Videoaufzeichnung dokumentieren.“

Das Deckblatt der Festschrift von Heinz Schnaedelbach aus dem Jahr 1993.

Was in 30 Jahren so alles passiert und wächst sieht man hier auf den Fotos

Auf dem Foto sieht man im Hintergrund eines freies Feld. Dort stehen heute die Häuser der Berliner Straße.

Mit "anpacken" beim Ausbau der Häuser war für die Frauen kein Thema.

Elfriede Eisenblätter "packte" bei den Renovierungen immer mit an.


Auch bei Familie Ernst gab es Innen und Außen immer etwas zu tun.


Erich Eisenblätter hatte immer etwas am Haus zu verbessern..


Mit Hans Schnaedelbach zieht 1989 die jüngere Generation in die Häuser ein.