See und Mehr > Das Dosenmoor > Das NSG Dosenmoor - ein schutzwürdiger Lebensraum


NABU Neumünster kümmert sich sehr engagiert um das Dosenmoor und das unermüdlich seit vielen Jahren. Otto Faßbinder aus Negenharrie hat sich für den Geschichtsverein für das ehemalige Bordesholm e.V. mit dem "Dosenmoor - heute" beschäftigt und folgenden Bericht verfasst, der im Jahrbuch 2009 erschien (Seite 27 bis 31). Der Verfasser bezieht in seinen Ausführungen auf die Festschrift von Peter Hildebrandt "50 Jahre NABU Neumünster 1952-2002". Mit Stichtag Juli 2012 sind insgesamt rund 75 ha im Besitz des Vereins. Siehe dazu auch www.nabu-neumünster.de.
Heute gilt das vom NABU Neumünster vogelkundlich betreute NSG Dosenmoor bei Neumünster-Einfeld mit einer Ausdehnung von 521 ha als das größte, besterhaltene und am gründlichsten untersuchte Hochmoor Schleswig-Holsteins. Es liegt zum größten Teil auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Neumünster, weitere Flächen gehören zu den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön. Mit seiner noch erkennbar uhrglasförmigen Aufwölbung ist es sehr schön als weitgehend abgerundeter Hochmoorkomplex in die Landschaft eingefügt. Obwohl das Dosenmoor als relativ gut erhalten angesehen wird, hat es nicht mehr sein ursprüngliches Aussehen. Der heutige Zustand mit Anzeichen der Degeneration sind Folge der menschlichen Eingriffe wie Entwässerung, Torfabbau und Kultivierung.

Die seit 1978 eingeleiteten über Jahre bis zum heutigen Zeitpunkt durchgeführten Regenerations- wie Renaturierungsmaßnahmen zeigen inzwischen Erfolge. Durch Abdämmung, Wiedervernässung und gestaltende Maßnahmen haben sich im Dosenmoor vielfältige Strukturen entwickelt, die sich sehr positiv auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken. So konnten sich z. B. die für die Entwicklung des Dosenmoores bedeutsamen Torfmoosarten der Gattung Sphagnum zunehmend ausbreiten. Dem Dosenmoor kommt daher heute eine einzigartige Bedeutung in Schleswig-Holstein zu. Trotz zum Teil extremer Bedingungen hat sich aufgrund der unterschiedlichen Vegetationsbereiche im faszinierenden Lebensraum Dosenmoor eine artenreiche Pflanzenwelt entwickelt. Es wurden hier u. a. 18 Torfmoos- und bisher 324 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen. Daher kann nur auf die bedeutendsten Pflanzenarten eingegangen werden. Die meisten Pflanzenarten sind über die Dämme eingewandert. Das System der Moordämme stellt daher durch seine Vernetzungsfunktion das mit Abstand artenreichste Rückzugsgebiet der Pflanzen des Dosenmoores dar.

Die typische Moorflora hat sich den extremen Bedingungen wie starke Versauerung, Nährstoff- und Sauerstoffmangel des Bodens, hoher Wasserstand sowie hohe Temperaturschwankungen zwischen Tages- und Nachtzeit angepasst. Als Fleisch verdauende Pflanzen zählen der Rundblättrige wie auch der seltene Mittlere Sonnentau neben den Torfmoosen zu den typischen Moorpflanzen des Dosenmoores. In einigen Torfstichen können sich der ebenfalls Fleisch verdauende Kleine und der Gemeine Wasserschlauch halten. In nassen Schlenken wachsen der Wassernabel und das Weiße Schnabelried. Während der Fruchtungszeit fallen das Scheidige und das Schmalblättrige Wollgras besonders auf. Die Drachenwurz, auch als Sumpf-Calla bekannt, hat sich an einem großen Moortümpel, später auch an einigen Torfstichen ausgebreitet. An höheren Standorten gedeihen die charakteristischen Zwergsträucher wie Moos- und Krähenbeere sowie die Besen-, Glocken- und Rosmarienheide. Auf den wenig begangenen Moordämmen wachsen in kleinen Beständen Mondraute, Natternzunge und Englischer Ginster. Der Sprossende Bärlapp ist im Birkenbruchwald in zwei leider rückläufigen Beständen zu finden. Auf einigen weit ins Moor hineinragenden Wiesen entwickeln sich interessante Pflanzengesellschaften.

Dagegen sind moortypische Arten wie Beinbrechlilie, Sumpfporst, Gagelstrauch und Moor-Heidelbeere im Dosenmoor nie nachgewiesen worden. Aufgrund seiner vielfältigen Kleinlebensräume beherbergt das Dosenmoor auch eine artenreiche Tierwelt. Besonders reichhaltig ist die Insektenfauna vertreten. So wurden im Dosenmoor 238 Käfer-, 135 Schmetterlings-, 15 Libellen-, 11 Heuschrecken- und 68 Zweiflügler-Arten nachgewiesen. Auch die Spinnen gehören mit über 200 Arten zu den am stärksten vertretenen Tiergruppen. Aus der Welt der Reptilien kommen Kreuzotter, Ringelnatter, Bindschleiche und Waldeidechse und von den Amphibien der Gras-, Teich- und Moorfrosch sowie die Erdkröte vor. Die Säugetiere sind einschließlich der Nahrungsgäste mit knapp 20 Arten vorhanden. Zu den auffälligsten Tieren gehören neben den Libellen jedoch die Vögel. Von der Knickente einmal abgesehen sind im Dosenmoor keine reinen Moorspezialisten anzutreffen. Vielmehr handelt es sich meist um Vogelarten, die aus der vom Menschen veränderten und stark genutzten Landschaft der weiteren Umgebung verdrängt wurden. In der Regel sind es z. T. seltene Vogelarten, die ursprünglich auf Wiesen, Feuchtgrünland und anderen Feuchtgebieten ihren Lebensraum hatten, sich ins Dosenmoor zurückgezogen und hier ein Refugium gefunden haben.

Die Betreuer vom NABU Neumünster haben in den letzten 20 Jahren im Dosenmoor einschließlich seiner Randgebiete wie Wattenbeker Gehölz, Feuchtwiesen bei Großharrie und dem Westrand bis zur Bahnlinie in Neumünster-Einfeld insgesamt 178 Vogelarten registriert. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 120 Arten. Der höchste Stand wurde 1991 mit 138 Vogelarten erreicht. Die Artenliste bezieht sich auf Brutvögel, Nahrungsgäste, Durchzügler und Wintergäste. Als Brutvögel kommen durchschnittlich 90 Vogelarten vor, wobei die mit 100 höchste Artenzahl 1995 erreicht wurde. Innerhalb der Grenzen des Naturschutzgebietes wurden bisher 72 Brutvögel nachgewiesen.

Die einzelnen Lebensräume des Dosenmoores unterliegen ständigen Veränderungen, zunächst durch den Torfabbau, später durch die unterschiedlichen Vernässungsgrade und Renaturierungsmaßnahmen. Dieses hat natürlich auch Auswirkungen auf das Artenspektrum zur Folge. So trat das Birkwild noch bis 1973 als Brutvogel auf, wurde bis 1978 noch vereinzelt beobachtet und ist seitdem verschollen. Der Steinschmätzer verabschiedete sich in den Jahren nach dem Abräumen der letzten Torfdiemen. Auch der Rotschenkel, Bruchwasserläufen, Rotmilan und Raubwürger sowie die Uferschnepfe, Schafstelze, Nachtigall und Sperbergrasmücke wurden im Laufe der Zeit nicht mehr als Brutvogel festgestellt.

Dafür siedelten sich in den letzten Jahren neue Arten wie Kranich, Schwarzhalstaucher und Schwarzkehlchen an. Die Anzahl der Vogelbestände veränderte sich mit den Jahren ebenfalls. So gingen z. B. die Brutpaare vom Großen Brachvogel und Kiebitz ständig zurück, während nach der Wiedervernässung ein deutlicher Anstieg der Bekassine beobachtet wurde. Von der Entkusselung beeinflusst schwankte der Bestand der Braunkehlchen erheblich. Innerhalb des Dosenmoores nutzen die Vögel die unterschiedlichen Lebensräume. Die auf der ehemaligen industriellen Abtorfungsfläche von etwa 60 ha südlich des Hautdammes durch Überstauung entstandene Wasserfläche besitzt eine große Anziehungskraft für Entenvögel, Taucher und Möwen. Auf und an den Inselstreifen brüten hier Zwerg- und Schwarzhalstaucher, Graugans, Knick-, Knäck-, Löffel-, Tafel- und Stockente, Wasser- und Tüpfelralle sowie drei Möwenarten. Auch der Kranich und Flußregenpfeifer haben hier ihren Einstand. Bekassine, Großer Brachvogel, Kiebitz, Wiesenpieper, Schwarzkehlchen und teilweise Braunkehlchen sowie Feldlerche sind eher auf der baumlosen Hochfläche anzutreffen. Die lockeren Birkenbestände mit eingestreuten Torfstichen besiedeln Baumpieper und auch das Braunkehlchen. Der Feldschwirl hat in den ins Moor hereinragenden Wiesen und in den dichten Pfeifengrasbeständen seine Reviere. Der dem Moor umgebene Birkenbruchwald ist Lebensraum für die Waldschnepfe, der Sperber, Kuckuck, Kleinspecht und Pirol.

In den zahlreich vorhandenen Gebüschen am Rande des Dosenmoores finden Neuntöter, Weidenmeise, Dorngrasmücke und zahlreiche andere Kleinvogelarten gute Lebensbedingungen. Der über dem Moor jagende Baumfalke brütet im nahen Wattenbeker Gehölz wie auch der Kolkrabe, Schwarzspecht und die Hohltaube. Der Weißstorch erscheint von seinem Horst in Kleinharrie zur Nahrungssuche. Zur Winterzeit halten sich bemerkenswerte Gäste wie Raubwürger, Kornweihe, zeitweise Singschwan und Eisvogel, jedoch stets eine hohe Anzahl von Wacholderdrosseln im Dosenmoor auf.