See und Mehr > Das Dosenmoor > Mooraufteilung und Eigentumsverhältnisse


Das Bild zeigt einen Bereich der Kleinparzellen, die von den Bauern und anderen genutzt wurden. Unten Links sieht man den Bereich des späteren, maschinellen Abbaus. Otto Faßbinder aus Negenharrie hat sich für den Geschichtsverein für das ehemalige Bordesholm e.V. mit dem "Dosenmoor - heute" beschäftigt und folgenden Bericht verfasst, der im Jahrbuch 2009 erschien (Seite 19 bis 22). Der Verfasser bezieht in seinen Ausführungen auf die Festschrift von Peter Hildebrandt "50 Jahre NABU Neumünster 1952-2002". Mit Stichtag Juli 2012 sind insgesamt rund 75 ha im Besitz des Vereins. Siehe dazu auch www.nabu-neumünster.de.
Da die Moore von alters her als Eigentum des Königs galten, war auch das Dosenmoor vollständig im Besitz des dänischen Königs. Mit der fortschreitenden Verweltlichung änderten sich die Umgangsformen in der menschlichen Gesellschaft und bis Anfang des 19. Jahrhunderts hatte praktisch jeder das Recht, Torf für den Eigenbedarf im Dosenmoor zu stechen, wo und wie viel er wollte. Aufgrund zunehmender Holzknappheit, die durch Rodung für den Haus- und Schiffsbau und durch den großen Holzbedarf der Ziegeleien, Köhlereien und Glashütten sowie auch durch die Hausfeuerung entstanden war, wuchs der Druck auf die Torfnutzung sprunghaft an. Im Jahr 1830 entstand die Idee, das Dosenmoor zu teilen. Bei der sich hinziehenden Aufteilung bekamen mehr als 20 „Dorfschaften" das Recht, auf dem Dosenmoor Torf zu stechen. Unter der Leitung eines eigens dazu eingestellten Moorvogts wurden den einzelnen Gemeinden bestimmte Gebiete zugewiesen. So haben noch heute verschiedene Teilbereiche im Dosenmoor Bezeichnungen wie z. B. Negenharrier-, Eidersteder- oder Brachenfelder Moorteil usw.

Da von Amts wegen eine Parzellierung zunächst nicht erfolgt war, grub jeder in dem seiner Gemeinde zugeteilten Bereich vom Rand bis zum Zentrum. Zwischen den Nutzern kam es dabei oft zu Streitereien. Im Jahr 1844 wurde von der königlichen Rentekammer dann eine „Commission zur Bearbeitung eines Theilungsplanes und zur Durchführung desselben niedergesetzt". In den „Vereinbarungsakten mit den Dorfschaften wegen ihrer Torfgerechtsame auf dem landesherrlichen Moore" vom Jahr 1852 wurden „Eingesessenen" Flächen auf dem Dosenmoor als Eigentum überlassen. Das war der Beginn der eigentlichen Aufteilung des Dosenmoores auf über 800 Einzelparzellen. Der Aufsicht führende Moorvogt ordnete die Verteilung, maß die einzelnen Flächen ab und übergab sie nach entsprechender Bezahlung an die neuen Parzellenbesitzer.

Auch auf die gerechte Zuteilung des Brennwertes des Torfes wurde offenbar geachtet. So erhielten viele Erwerber kleinere Flächen, je eine Parzelle nördlich und südlich des Hauptdammes oder in einem anderen nahe gelegenen Moor. Als ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Torfstechen im Norden Deutschlands in voller Blüte stand, waren im Jahr 1857 die Besitzverhältnisse im Dosenmoor geregelt. Die zahlreichen einzelnen Parzellen waren auf weit über 400 Eigentümer aus den umliegenden Gemeinden verteilt. Auch die Gemeinden selbst bekamen als „Communenmoor, zur Gewinnung der Feuerung für Arme, Insten und Schule" ihren Mooranteil.

Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich von der Umgebung Neumünster und Bordesholm über die heutigen Ortsteile Rotenhahn und Sprenge der Gemeinde Rumohr bis hin zu dem Dorf Schönhorst vor den Toren Kiels. Andere, dem Dosenmoor näher liegende Gemeinden wie z. B. Schönbek und Loop hatten dagegen Anteile in anderen Mooren wie etwa im Schönbeker Moor oder „Großen Moor". Eine schwer zugängliche im zentralen Bereich südlich des Hauptdammes gelegene Restfläche von etwa 120 ha wurde nicht aufgeteilt und verblieb weiterhin im Besitz des dänischen Königs, ebenso wie ca. 60 bis 70 ha Wiesen und Weiden. Infolge des deutsch/österreich-dänischen Krieges im Jahre 1864 wurde der preußische Staatsforst verwaltende Dienststelle des Moorkomplexes. Für das Bundesland Schleswig-Holstein übernahm nach dem 2. Weltkrieg das Forstamt Neumünster die Verwaltung des Dosenmoores. Nach dessen Auflösung war für kurze Zeit von 1996 bis 1998 das Forstamt Eutin zuständig.

Heute hat diese Aufgabe das Forstamt Barlohe übernommen. Der erwähnte zusammenhängende Zentralbereich wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zur gewerblichen Nutzung an die bereits 1898 gegründeten Torfwerke Einfeld verpachtet. In einem 1934 zwischen der Forstverwaltung Preußens und dem Torfwerk geschlossenen Pachtvertrag war dem Unternehmen ausdrücklich auch eine Nutzung über die Jahreshöchstmenge von 18.000 Kubikmeter hinaus gestattet. Die anhaltende, intensive, industrielle Nutzung des Dosenmoores konnte dann 1977 endlich eingestellt werden. Durch die Aufteilung und Privatisierung des weitaus größten Teils des Dosenmoores größtenteils erhalten geblieben ist. Die einzelnen Eigentümer gewannen den Torf im Handstichverfahren zur Brennstoffgewinnung. Noch bis Ende der 1960er Jahre, als sich die Brikettfeuerung durchsetzte, wurde im Dosenmoor von den Bewohnern der umliegenden Dörfer Torf gestochen.

Zur Zeit der Unterschutzstellung des Dosenmoores kaufte das Forstamt Neumünster die Moortanteile der Torfwerke Einfeld von etwa 50 ha sowie weitere Parzellen an. Damit hat das Land Schleswig-Holstein seinen Flächenanteil auf schätzungsweise 260 ha, also rund die Hälfte des Dosenmoores, aufstocken können. Dennoch wiesen die Flurkarten noch etwa 800 Parzellen mit rund 400 Eigentümern und Erbengemeinschaften aus. Die Flächen verteilen sich auf das Gebiet der Stadt Neumünster, die Gemeinden Bordesholm, Wattenbek und Negenharrie im Kreis Rendsburg-Eckernförde und die Gemeinde Großharrie im Kreis Plön.

Die fünf Flurkarten des Dosenmoores verlaufen über die Kreis- und Gemeindegrenzen hinweg. Zur flächenhaften Sicherung des Dosenmoores erwarb dann ab 1981 in erster Linie die Stiftung Naturschutz des Landes Schleswig-Holstein große Flächen im Randbereich, um sie aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Doch auch im Innenbereich des Moores wurden größere Parzellen von der Stiftung Naturschutz aufgekauft, die damit insgesamt einen Dosenmooranteil von etwa 140 ha besitzen dürfte. Wegen anderer Prioritäten hat die Stiftung inzwischen den Flächenkauf im Dosenmoor eingestellt.