See und Mehr > Wald und Wiesen > Ackerbrachen im Biotopverbundsystem

Im  Stadtteil Einfeld, bzw. im hinteren Teil zu Tungendorf gehörend, liegt östlich der Kieler Straße eine ehemalige Ackerfläche, die im Jahr 1993 von der Stadt für Naturschutzzwecke angekauft wurde. Das Areal ist rund 4,5 ha groß und bildet zusammen mit der Alten Obstwiese westlich der Kieler Straße (Nr. 515) und dem geschützten Landschaftsbestandteil Vierkamp im Stadtteil Tungendorf eine Achse aus wertvollen Lebensräumen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Biotopverbundsystems.

Nach dem Erwerb der Fläche durch die Stadt Neumünster wurde als erste Maßnahme auf den Ackerbrachen ein Feldgehölz gepflanzt und zwei neue Knicks angelegt. Diese Gehölze haben sich inzwischen gut entwickelt und bieten verschiedenen Vogelarten Nahrungsgrundlage und gute Brutmöglichkeiten. Der Aufwuchs, der sich auf dem ehemaligen Acker entwickelte, wurde in den ersten Jahren gemäht, um Nährstoffe aus der Fläche auszutragen.

Auf einer gedüngten Ackerfläche gedeihen nämlich hauptsächlich Allerweltsarten, die nährstoffreiche Standorte bevorzugen, wie z. B. Brennnessel und Rainfarn. Wenn aber weniger Nährstoffe verfügbar sind, können auch andere Arten, die sandige, nährstoffarme Bedingungen brauchen, hier Fuß fassen.

In unserer durch intensive Nutzung geprägten Landschaft sind nährstoffarme Böden inzwischen leider selten geworden und mit ihnen auch die Pflanzenarten, die solche Bedingungen brauchen. Sukzession ist die natürliche Entwicklung. Unter Sukzession versteht man die standortgemäße Entwicklung von Pflanzen- und Tiergesellschaften einer Fläche.

Wenn der Mensch nicht eingreift, entwickelt sich das Artengefüge über verschiedene Stadien zu einem stabilen Endstadium. Auf der ehemaligen Ackerfläche in der Kieler Straße wäre dieses Endstadium ein Wald.

Nach der Mahd der Fläche zum Austrag von Nährstoffen und der Aussaat einer Mischung verschiedener Wildpflanzen hat sich in der Kieler Straße ein bunter, artenreicher Lebensraum entwickelt. Unter anderem blühen dort Moschusmalve, Wilde Möhre, Färber-Hundskamille und Gewöhnliche Ochsenzunge. Diese Pflanzenarten sind in unserer intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft selten geworden.

Manche Pflanzenarten gedeihen nur, wenn der Mensch mithilft. Vor diesem Hintergrund hat sich die untere Naturschutzbehörde entschlossen, Teile der ehemaligen Ackerfläche in einem bestimmten Rhythmus umbrechen zu lassen, so dass immer wieder Teilflächen mit offenem Boden entstehen.

Das Konzept für diese Pflegemaßnahmen wurde vom Planungsbüro Mordhorst entwickelt. So können die Blütenpflanzen, die früher in großer Zahl an ungespritzten Ackerrändern wuchsen, sich jährlich neu aussäen. Zu diesen Vertretern der Ackerbegleitflora gehören z. B. das Ackerstiefmütterchen und der Saatmohn.

Einige Arten sind durch die intensive Landwirtschaft mit Pestizideinsatz und Düngung schon so selten geworden, dass sie auf der Roten Liste der in Schleswig-Holstein gefährdeten Arten stehen. Zu diesen Arten gehört der Saat-Hohlzahn, der auf der ehemaligen Ackerfläche in der Kieler Straße noch zu finden ist.

Hier werden durch das Umbrechen der Fläche Überlebensmöglichkeiten für Arten geschaffen, die Jahrhunderte lang auf den Äckern zu finden waren und die heute in unserer Umgebung kaum noch einen Lebensraum finden.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie im Fachdienst Natur und Umwelt der Stadt Neumünster - Untere Naturschutzbehörde - Großflecken 59, 24534 Neumünster. Dort werden für Sie auch Broschüren zu anderen interessanten Themen aus dem Bereich Naturschutz bereitgehalten, die Sie auch unter www.neumuenster.de aus dem Internet downloaden können.

Quelle: Anja Schubring - Fachdienst Natur und Umwelt der Stadt Neumünster (Faltblatt - Stand 2007)


Das Areal der Ackerbrachen an der Kieler Straße in einer Übersicht. (Klick-Bild)


Anja Schubring begleitet seitens der Stadt Neumünster dieses Projekt.


Die Rosenmalve


Die Büschel-Nelke


Die Färber-Hundskamille


Der Reiherschnabel