Kontrolle der (Bade-)Wasserqualität

Erstmalig nach vielen Jahren musste am 08. Juni 2007 für die Badestelle „Strandhalle“ des Einfelder Sees - am Parkplatz Minigolfplatz - ein offizielles Badeverbot ausgesprochen werden. Es wurden in einigen Abschnitten des Einfelder Sees zu hohe Werte für bestimmte Bakterien gemessen, die auf eine Verunreinigung mit menschlichem oder tierischem Kot (z. B. von Wasservögeln oder landwirtschaftlichen Nutztieren) hinwiesen. Die konkrete Ursache konnte nicht benannt werden. Am 21.06.07 wies die Stadt Neumünster darauf hin, dass das Badeverbot am Einfelder See auch für das Einfelder Eck (Dorfbucht) erlassen werden musste. Weiterhin galt das Badeverbot für die Badestelle „Strandhalle“. Nach den Grenzwertüberschreitungen an der „Strandhalle“ wurde auch bei einer zweiten Wasserprobe des Einfelder Ecks eine Grenzwertüberschreitung festgestellt.

Der Einfelder See besitzt jedoch trotz seines nährstoffreichen Zustandes eine artenreiche Unterwasservegetation, die einige Nährstoffarmut zeigende Arten enthält. Ob diese Arten, die teilweise in den 70er Jahren nicht beschrieben wurden, Relikte sind oder sich wieder angesiedelt haben, ist nicht festzustellen. Die von OHLE (1959) für die 50er Jahre am Einfelder See beschriebenen Kalk- und Nährstoffarmut anzeigenden Arten Brachsenkraut Isoetes lacustris und Wasserlobelie Lobelia dortmanna haben sich bisher nicht wieder angesiedelt.

Der Einfelder See war lange Jahre durch Abwässer der Orte Einfeld und Mühbrook, durch Zulauf aus einem entwässerten Moorgebiet und durch einen hohen Prozentsatz an Landwirtschaft im Einzugsgebiet mit Nährstoffen stark belastet. Klimatisch bedingte Seespiegelsenkungen, die ähnlich wie im Garrensee durch das im Verhältnis zur Seefläche kleine Einzugsgebiet besonders gravierend waren, stellten in der Vergangenheit eine zusätzliche Belastung dar. Wegen auffälliger Eutrophierungserscheinungen wurde der See bereits 1975/76 untersucht. Auf Grund der veränderten Analysenmethodik lassen sich die Ergebnisse nur schwer vergleichen.

Die damals festgestellte Produktivität scheint sich bis heute aber kaum verringert zu haben. Lediglich der Sauerstoffhaushalt, der aber stark von den Witterungsbedingungen des jeweiligen Jahres abhängt, scheint sich verbessert zu haben: die über- und Untersättigungen sind heute weniger stark ausgeprägt und die Ammoniumkonzentrationen sind sehr viel geringer (1975: um 0,6 mg/l N, 2000: Frühjahr 0,4 mg/l N, im Sommer unter 0,03 mg/l N).

Insgesamt scheint sich im Einfelder See die Nährstoffentlastung, die im Bereich der Abwasserfernhaltung mit dem Anschluss der Ortschaft Mühbrook an die zentrale Entsorgung 1990 weitestgehend abgeschlossen wurde, noch nicht in der gewünschten Weise auszuwirken. Eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Nährstoffe durch das Phytoplankton nach einer Reduzierung der Nährstofffrachten wurde auch in anderen Seen häufig beobachtet, so lange nicht ein bestimmter Schwellenwert an Gesamtphosphor (in der Regel etwa zwischen 0,03 und 0,06 mg/l Phosphor, CHORUS 1996) unterschritten wurde.

Ein weiterer Grund sind die ungünstig strukturierten Nahrungsketten im Einfelder See. Das Phytoplankton besteht überwiegend aus schlecht fressbaren Arten. größeres Zooplankton, das einen Einfluss auf die Biomasse des Phytoplanktons haben könnte, ist kaum vorhanden. Neben der Begünstigung von schlecht fressbaren Blaualgen durch die immer noch nährstoffreichen Bedingungen könnte die Ursache in einer unausgewogenen Fischfauna mit einem übergewicht an Zooplankton fressenden Arten zu suchen sein. Die wegen der schlechten Sauerstoffverhältnisse spärliche Besiedlung des Benthos führt vermutlich ebenfalls zu einem erhöhten Frassdruck auf das Zooplankton, da Benthos fressende Fischarten unter diesen Bedingungen häufig auf Zooplankton als Nahrungsquelle ausweichen.

Die Gesundheitsämter führen an allen Badestellen regelmäßige Untersuchungen des Wassers auf bakterielle und physikalisch-chemische Verunreinigungen durch. Hierfür gibt es allgemeingültige Grenzwerte. Es ist gesetzlich festgelegt, dass beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte das Baden wegen einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung zu verbieten ist. Für den Fall, dass Menschen trotz des Verbotes an den betroffenen Stellen baden, besteht die Gefahr, dass gegebenenfalls mit dem Wasser verschluckte Keime Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen.

Derzeit werden engmaschige Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Die Bevölkerung wird sofort informiert werden, sobald die Messwerte ein Baden wieder erlauben. Die Messungen an den übrigen Badestellen des Einfelder Sees (an der Einfelder Schanze und in Mühbrook) haben Werte ergeben, die unterhalb der jeweiligen Grenzwerte gelegen sind. Daher ist das Baden in diesen Bereichen zur Zeit weiterhin möglich.

Der Einfelder See zeigt typische Merkmale eines polytrophen, polymiktischen Sees. Starke Schwankungen der Phosphorkonzentrationen sind durch Abbauvorgänge im Tiefenwasser und am Gewässergrund während Stagnationsphasen und anschliessende Wiedereinmischung in die Wassersäule bedingt und sorgen für eine ständige Erneuerung der Nährstoffreserven während der Vegetationsperiode. Intensive Zehrungsprozesse werden am Sauerstoffschwund im Tiefenwasser in Stagnationsphasen, zeitweiliger Untersättigung über die gesamte Wassersäule, starkem Schwefelwasserstoff-Geruch des Sediments und einer spärlichen Benthosbesiedlung deutlich.

Zu allen Probezeitpunkten in den Jahren 2000 und 2001 wurde das Phytoplankton von Blaualgen beherrscht, unter denen im Sommer Stickstofffixierer vorherrschten. Das intensive Phytoplanktonwachstum kann vom Zooplankton nicht reguliert werden.

Bei aktuellen Untersuchungen des Seenkontrollprogramms hatte der Einfelder See mit 0,047 mg/l Gesamtphosphor im Frühjahr 2002 deutlich geringere Konzentrationen als im Jahr 2000 (0,064 mg/l P). Da gerade in polymiktischen Seen die Phosphorkonzentrationen stark schwanken können, ist abzuwarten, ob sich ein Trend in Richtung Verringerung der Nährstoffkonzentrationen entwickelt.

Der Einfelder See hat aufgrund seines im Verhältnis zur Seefläche kleinen Einzugsgebietes gute Voraussetzungen für eine geringe Nährstoffversorgung. Seine geringe Tiefe und die mit kurzen Phasen der Stagnation abwechselnde Durchmischung dagegen begünstigen eine höhere Produktivität. Sein Referenzzustand nach LAWA (morphometrische Kriterien) ist eutroph 1, da sein gegenwärtiger Zustand (polytroph 1) um zwei Stufen hiervon abweicht, wird er mit 3 auf der 7-stufigen LAWA-Skala bewertet. Das Entwicklungsziel ist zumindest eutroph 2, so daß weiterer Handlungsbedarf besteht.

Mit der weitest gehenden Fernhaltung des Abwassers wurde bereits eine entscheidende Entlastung des Sees erreicht, die zwar eine deutliche Verringerung der Nährstoffkonzentrationen und vermutlich auch eine Entlastung des Sauerstoffhaushaltes bewirkten, bisher jedoch noch keine deutliche Verringerung der Phytoplanktonbiomasse mit sich brachten. Dazu müssten die Phosphorkonzentrationen im See unter einen entscheidenden Schwellenwert von 0,05 mg/l P gebracht werden, da erst in diesem Bereich eine anhaltende Verringerung der Primärproduktion zu erwarten ist (CHORUS 1996). Hierzu müssten die gegenwärtigen Frachten von über 400 kg/a auf unter 300 kg verringert werden.

Dazu sind folgende Maßnahmen zu prüfen: Extensivierung oder Aufgabe der seenah gelegenen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Trotz des kleinen Einzugsgebiets ist die derzeitige Phosphor-Belastung (0,23 g/a × m2 Seefläche) bedingt durch den hohen Anteil von landwirtschaftlicher Nutzung recht hoch. Die insbesondere im Nordwesten steilen Ufer des Sees begünstigen den Eintrag von Nährstoffen über das Grundwasser und durch Erosion. In diesem Bereich würde eine Extensivierung besonders Erfolg versprechend sein. Die aus Viehweiden kommenden kleineren Zuflüsse sollten von der Nutzfläche abgezäunt werden, um Vertritt und direkte Fäkalverschmutzung der Zuflüsse durch Tiere zu verhindern.

Da sich die Phosphorbelastung des Einfelder Sees inzwischen deutlich verringert hat, ohne dass bisher ein deutlicher Effekt auf die Primärproduktion sichtbar wurde, sollte der Struktur des Nahrungsnetzes in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu wäre eine Abschätzung der Quantität und Qualität der Fischfauna notwendig. Eine ausgewogene Fischfauna mit einem geringen Prozentsatz Zooplankton fressender Arten und einem genügenden Anteil an Raubfischen sollten angestrebt werden. Eine weitere Ausweitung der intensiven Erholungsnutzung sollte eingedämmt werden, um die weitere Beeinträchtigung der Ufervegetation, die in ihrer Zusammensetzung von überregionaler Bedeutung ist, zu verhindern. Da im Einfelder See durch sein ungünstiges polymiktisches Durchmischungsregime ständig eine Wiedereinmischung von Phosphor aus dem Sediment möglich ist, können diese Prozesse eine Erholung des Sees verzögern.

Quellen: (1.) Weitere Informationen unter
www.neumuenster.de bzw. im News-Archiv unter www.neumuenster.de/cms/index.php?article_id=3004 (2.) Aktuelle Informationen werden veröffentlicht unter www.badewasserqualitaet.schleswig-holstein.de


Ist es der Kot der Wasservögel, der bei Kontrollen zeitweise zu Beanstandungen der Badewasserqualität führt?


Während der Brutzeit wurde mit Zäunen versucht, die Graugänse von den Badebereichen fernzuhalten. 


Im Jahr 2013 versuchte  man mit diesen "Fuchs-Schildern" die bisher getroffenen Maßnahmen zu unterstützen.


Leider wurden die Zäune an manchen Stellen von den Badegästen ignoriert und demontiert.


Die Broschüre der Stadtverwaltung als PDF-Datei (Klick-Bild)

Badegewässerrichtlinie
Die Qualität der Badegewässer wird seit 1975 nach einer EU-Richtlinie überwacht. (Richtlinie 76/160/EWG über die Qualität der Badegewässer vom 08.12.1975)

Neumünster muss gemäß dieser jährlich einen Bericht über die Qualität der Badegewässer in der vorangegangen Badesaison erstellen. Dazu gehört der Baggersee in der Gartenstadt und der Einfelder See.

Die Berichte werden von der Europäischen Kommission als sogenannter Badegewässeratlas herausgegeben.

Grundlage für die Überwachung der Gewässer in den Ländern sind die entsprechenden Verordnungen (in Schleswig-Holstein ist es die Landesverordnung über die Qualität der Badegewässer -  kurz: BadegewVO - vom 20. April 2005), in dem die EU-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer umgesetzt wurde.

Die darin festgelegten Grenz- und Richtwerte sind einzuhalten. Die Untersuchung der Wasserproben erfolgt mehrmals während der Badesaison. Zusätzlich ist eine Untersuchung 14 Tage vor Beginn der Badesaison erforderlich.

Die Überwachung der Gewässer umfasst 16 Parameter. Dabei sind vor allem die mikrobiologischen Verunreinigungen der Gewässer durch Bakterien von Bedeutung, die unter anderem zu Durchfall und Erbrechen führen können.

Besondere Risiken bestehen für Kinder, ältere Menschen und Personen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist. Die EU-Richtlinie hat dazu geführt, dass sich die Qualität der Gewässer in den zurückliegenden Jahren ver- bessert hat.
Am 24.03.2006 ist die novellierte Badegewässer-Richtlinie in Kraft getreten. Bis zum 24.03.2008 musste das neue EU-Regelwerk von Bund und Ländern in nationales Recht überführt werden, wobei die Bundesländer weiterhin für den Vollzug verantwortlich sind.

Folgende Verbesserungen bringt die neue Badegewässerrichtlinie: Es gibt nur noch zwei aussagekräftige mikrobiologische Parameter für alle Gewässer. Diese geben Auskunft über die Verschmutzung von Gewässern, die zu Krankheiten wie Durchfall oder Erbrechen führen können.

Außerdem enthält die Richtlinie eine neue Berechnung für die Bewertung der Gewässerqualität und sieht eine aktive Mitwirkung des Gewässerbetreibers bei der Vermeidung oder Beseitigung von Wasserverschmutzungen im Rahmen von Bewirtschaftungsmaßnahmen vor. 

Quelle: 
Bundesministerium für Umwelt