Die Entwicklung bis 1956

Zur Entwicklung der Gemeinde Einfeld bis 1956 wird Bürgermeister Karl Feldmann zitiert. Dieser Bericht mit der Überschrift "Reich an Jugend, arm an Geld" wurde veröffentlicht in der Festschrift zur Einweihung der Mehrzweckhalle am 24. August 1956 mit dem Titel "Einfeld. Vom Bauernhof zur Großgemeinde" und wird hier in Auszügen wiedergegeben.
 
Vor 15 Jahren war Einfeld noch ein 1.400 Einwohner zählendes verträumtes Dorf: alte Bauernhäuser im Halbkreis um die idyllische Dorfbucht gruppiert, hier und da eine Villa am See, einige Handwerksbetriebe und Geschäftshäuser im engeren Bereich des Bahnhofs, Arbeiter- und Angestelltensiedlungen an der Bundesstraße. Bis zum 30. November 1954 stieg die Einwohnerzahl auf 5.602 an, davon 1.400 Flüchtlinge und 2000 Evakuierte, letztere zum größten Teil aus Kiel. 

Im Zuge der Umsiedlung fiel die Einwohnerzahl bis zum 30. Juni 1952 auf 5390. Von diesem Zeitpunkt an ist ein stetiges Anwachsen zu beobachten, so dass die Einwohnerzahl am 1. April 1956 bereits 5.700 betrug. Das bedeutet eine Vervierfachung gegenüber dem Jahre 1941. Durch den Zuzug von 135 kinderreichen Familien aus Kiel wurde Einfeld die Gemeinde mit dem bei weitem größten Jugendanteil in ganz Schleswig-Holstein. Laut einer Statistik vom Jahre 1950 beträgt der Landesdurchschnitt 33,5 %; Einfeld dagegen hat 40,2 % Jugend unter 20 Jahren. Das wirkte sich geradezu revolutionierend auf die Schulverhältnisse aus: vor 12 Jahren nur 4 Klassen, und heute 21 Volksschulklassen und eine Mittelschule mit 7 Klassen. Also: reich an Jugend, aber arm an Geld. 

Mit einem Gewerbesteueraufkommen von 16,41 DM und einem Gesamtsteueraufkommen von 41,33 DM pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1954 ist Einfeld die steuerschwächste Gemeinde gleicher Größenklasse (5.000 - 10.000 Einwohner) im Lande Schleswig-Holstein. Der übergroße Bevölkerungszuwachs, die weit über dem Durchschnitt liegende Zahl an Kindern und Jugendlichen einerseits und die geringe Steuerkraft andererseits müssen bei der Beurteilung der Leistungen der Gemeinde berücksichtigt werden. Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet ist Außergewöhnliches geleistet worden, wovon an dieser Stelle nur das Wesentlichste erwähnt werden kann. 

Das Wegenetz der Gemeinde ist in Ordnung und zum Teil neu ausgebaut. Das Altdorf wurde an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Die hässlichen Baracken verschwanden fast völlig aus dem Dorfbild. Seit 1948 wurden 450 Wohnungen, zum Teil mit Unterstützung der Gemeinde, gebaut. Für die Gemeindeverwaltung wurde in zentraler Lage ein neues Verwaltungsgebäude erstellt. Dort fand auch die Feuerwehr ein den Erfordernissen entsprechendes Unterkommen, während den Belangen der Jugendorganisationen durch Errichtung eines Jugendheims Rechnung getragen wurde. Unsere Kinder erhielten Spielplätze, und für sportliche Veranstaltungen stehen zwei Sportplätze zur Verfügung. Der nunmehr vollendete Volksschulbau hat 20 nach modernen Gesichtspunkten eingerichtete Klassenräume und eine Turnhalle. 

Die Mittelschule konnte an das Zentralheizungssystem der Volksschule angeschlossen werden. Der Kindergarten, eine Schwesternstation und die Gemeinde und Schülerbücherei werden noch vor Ablauf dieses Jahres in einem Neubau unter gemeinsamem Dach beheimatet sein. Der erst kürzlich genehmigte Wirtschafts- und Aufbauplan der Gemeinde berechtigt zu neuen Hoffnungen. Einem im Vorjahre erbauten Industriebetrieb mit 110 Beschäftigten werden weitere folgen müssen, zumal das erforderliche Industriegelände und ein guter Arbeiterstamm zur Verfügung stehen.

Auch auf sozialem und kulturellem Gebiet war die Selbstverwaltung aktiv. In jedem Jahre schickt die Gemeinde 25 gesundheitsgefährdete Kinder für vier Wochen nach Hörnum. Regen Zuspruch finden die planmäßig durchgeführten Veranstaltungen der Volkshochschule. Die neue Halle wird die Möglichkeit bieten, gerade auf diesem Sektor die Arbeit zu intensivieren. Die Aufzählung der kommunalen Leistungen darf abgeschlossen werden mit der Feststellung, dass die Finanzen dieser steuerschwachen Gemeinde geordnet sind. Wie war diese erfolgreiche Gemeindearbeit möglich? Ein gläubiger Optimismus, stets orientiert an den realen Gegebenheiten, großes Verständnis und fast nur einmütige Beschlüsse der Gemeindevertretung bei allen fachlichen Entscheidungen, eine vorausschauende Planung und saubere, sparsame Arbeit der Verwaltung waren und sind die Grundlagen des Aufbaus. 

Hilfe, Rat und viel Verständnis fand ich stets bei den übergeordneten Behörden: Landrat, Kreisausschuss, Ministerien und Bundesvermögensverwaltung der Oberfinanzdirektion (OFD); auch die Sparkassen Bordesholm und Neumünster dürfen nicht unerwähnt bleiben. Ich möchte die Gelegenheit des Abschlusses unseres Volksschulbaus mit Turnhalle dazu benutzen, um ihnen allen Dank zu sagen. Ich darf daran die Bitte knüpfen, an der Freude und dem Stolz der Bürger von Einfeld teilzunehmen in dem Bewusstsein, dass das Geleistete letztlich das Ergebnis einer großen Gemeinschaftsarbeit ist.

Karl Feldmann, Bürgermeister