Wasserstand

Am 30.10.2007 trug Heinrich Kautzky von der Stadt Neumünster über eine Verlandung des Einfelder Sees während der Stadtteilbeiratssitzung vor. Wesentliche Teile seines Fachvortrages sind in der Broschüre "Einfelder Sehpunkte" (u.a. Sehpunkt 10) nachzulesen. Im Besonderen ging er ein auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU vom 22.12.2000 und das Landesnaturschutzgesetz, zuletzt geändert am 03.01.2005. Diese erfordern eine Gewässerreinhaltung und Feinsteuerung, wozu in Kürze ein Maßnahmenkatalog seitens der Verwaltung erstellt wird.

Die Diskussion über einen zu niedrigen Wasserstand des Sees geht schon über Jahrzehnte, wie die Schlagzeilen der Zeitungen zeigen. Die Kieler Neue Nachrichten (KNN) berichteten am 01.09.1907: "Eine auffallende Senkung des Wasserspiegels bemerkt man am Einfelder See. Von Jahr zu Jahr tritt wasser weiter zurück, so daß jetzt dort Fußsteige sind, wo früher selbst beim niedrigen Wasserstand die Wellen sich brachen." Dabei ist auffällig, daß beim Vergleich der Wasserstände, die seit 1954 gemacht werden, und der Niederschläge ein Zusammenhang besteht. Besonders 1977 und 1997 waren die Regenfälle spärlich ausgefallen und hatten zu Debatten geführt.

Der Einfelder  See ist eine wasserundurchlässige Wanne, wurde durch die letzte Eiszeit geschaffen und von Anfang an als Flachsee auf der Wasserscheide angelegt. 
So hatten Untersuchungen des Landesamtes für Land- und Wasserwirtschaft in Kiel bereits 1960 ergeben, dass der niedrige Wasserstand des Sees ausschließlich auf Verdunstung zurückzuführen ist. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass in der Vergangenheit dem See durch die Landwirtschaft und durch einige Anlieger in regenarmen Sommermonaten Wasser entnommen wurde. „Der pumpt den ganzen See leer“, hieß es dann. Insgesamt aber wurden so dem See nur 5.000 bis 6.000 cbm Wasser entnommen und zwar im Jahr. Das entspricht einer Wasserhöhe von etwa 3 mm. Kein Grund also alarmiert zu sein. An einem einzigen heißen Sommertag wird dem See mehr als die doppelte Menge durch Verdunstung entzogen.

Der Einfelder See hat ein kleines oberirdisches Einzugsgebiet, das nur drei Mal so groß wie die Seefläche ist und reagiert deshalb empfindlich auf Änderungen der Niederschlagsintensität. Aufgrund der vielerorts flachen Ufer des im Mittel nur 3,40 m und maximal 8,40 m tiefen Einfelder Sees wirken sich geringe Niederschläge und dadurch bedingte geringe Zuflüsse besonders auf die Größe der Wasserflächen aus. Mit dem Sinken des Seewasserspiegels fallen Teilbereiche des Sees trocken. Dies ist nicht von Dauer, sondern die Seefläche wird sich mit dem steigenden Wasserstand wieder ausdehnen. Insofern handelt es sich nicht um eine Verlandung.

Das Dosenmoor hat rund 23 % Anteil am Einzugsgebiet und wirkt sich somit nur gering aus. Im Rahmen der Regeneration des Dosenmoores wurde Ende 1996 die Fließrichtung eines Grabens auf einer Länge von etwa 200 Meter umgekehrt. Der Graben entwässert jetzt über die Burbek in die Eider. Das Wassereinzugsgebiet des Einfelder Sees ist durch die Maßnahme nur unwesentlich verkleinert worden. Die Regeneration des Moores hat keinen messbaren Einfluss auf den Wasserstand des Sees. Der See hat zumindest zehn Jahrtausende überdauert, ohne seine Form wesentlich zu verändern. Die Anbindung an das Dosenmoor besteht erst seit einigen Jahrhunderten, auch ohne diese hat also der See existieren können. 

Die Frage, ob es zutrifft, dass eine zunehmende „Verkrautung“ und Ausweitung des Schilfgürtels vorliegt, wird in der Drucksache 14/953 verneint. Es lägen keine Erkenntnisse über die Ausweitung des Schilfgürtels am Einfelder See vor. Jedoch wird aufgeführt, dass ein solcher ein wesentlicher Bestandteil des Uferbereiches ist und wichtige Funktionen für einen See erfüllt. Er schützt das Ufer vor mechanischen Einflüssen, bietet einer überaus vielfältigen Lebensgemeinschaft Nahrung und Lebensraum und trägt zur Reinigung des aus der Umgebung zufließenden Wassers und zu einem Rückhalt der mitgeführten Stoffe bei. Eine Ausdehnung der Ufervegetation ist durch die Wassertiefe natürlicherweise begrenzt.

„Möchten die vielen Doktoren, die nun an sein Bett gerufen werden und darüber befinden sollen, ob er gesund oder krank ist, aus profunder Kenntnis die richtige Diagnose stellen.“ So schließt Hermannus Müller seine Ausführungen zum Thema in einem Zeitungsartikel vom 04. August 1977 im Holsteinischen Courier.

Quellen: (
1.) Kleine Anfrage des Abgeordneten Uwe Döring „Verlandung des Einfelder Sees“ - Drucksache 14/953 - S-H Landtag vom 04.09.1997 (2.) Holsteinischer Courier vom 04.08.1977 „Ernst, aber nicht hoffnungslos ...“ von Hermannus Müller (3.) Broschüre "Einfelder Sehpunkte" - Stadt Neumünster und Gemeinde Mühbrook (4.) Gesetz zum Schutz der Natur (Landesnaturschutzgesetz - LNatschG) vom 18. Juli 2003 (GVOBl. Schl.-H. S. 339, zuletzt geändert am 03. Januar 2005 - GVBl. S. 21 - (4.) Die unteren Bilder stammen von ha-jo und rue_ma_einfeld.


Im August 2009 ist der Zulauf vom Moor trocken.


Die Wasserstände von 1954 bis 2007. (Klick-Bild)


Holsteinischer Courier vom 04.08.1977
„Ernst, aber nicht hoffnungslos ..."

Kieler Nachrichten vom 14.01.1997
„Ein Leben ohne Schilf undenkbar“

Holsteinischer Courier vom 13.09.1997
„Entwarnung für den Einfelder See“

Kieler Nachrichten vom 25.09.1997
„AG will Wassereinzugsgebiet des Sees neu vermessen lassen“

Holsteinischer Courier vom 26.09.1997

„Sandbänke im See“

Holsteinischer Courier vom 30.09.1997

„Öffnet den Moorgraben“

Holsteinischer Courier vom 17.03.1998

„Zank um Moorwasser“

Kieler Nachrichten vom 17.04.1998
„Der See hat einen großen Schluck genommen“


Holsteinischer Courier vom 16.05.1998
„Streit geht ins fünfte Jahrzehnt“

Kieler Nachrichten vom 05.02.1999
„Thema Wasserstand taucht wieder auf"

Kieler Nachrichten vom 16.02.1999

„Schwankungen völlig normal“


Holsteinischer Courier vom 13.03.2007
„Darum ist der Einfelder See so voll"


Messstation in der Einfelder Dorfbucht.

Bei Trockenheit fließt kein Wasser vom Moor.

Der Zufluss vom Dosenmoor ...

Viel Regenwasser heißt nasse Flächen

Grillplatz unter Wasser gesetzt durch den Regen.

Bei hohem Wasserstand fließt viel in die Aalbek.