Aktiv und Aktuell > Katholische Kirchengemeinde Einfeld

Nach dem Krieg ließen die aus dem Osten stammenden Vertriebenen die Zahl der Katholiken der Pfarrgemeinden in Schleswig-Holstein ansteigen. So entstand in der Nachkriegszeit unter anderem die katholische Kirchengemeinde Einfeld mit eigener Kapelle bzw. Kirche. Im Jahr 1960 wurde die Einfelder St. Josef-Kapelle (Titel gemäß Urkunde der Grundsteinlegung) an der Klaus-Groth-Straße 25 (heute Op de Geest) gebaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 17.06.1960. Die erste Betreuerin (Küsterin) war Hedwig Seidenstücker. Zusammen mit ihrem Ehemann Willy wohnte sie im Gemeindehaus rechts neben der Kirche. Sehr engagiert wurde das Grundstück vor und hinter dem neuen Gotteshaus hergerichtet, wobei auch eine „Wilde Müllkippe“ zu entfernen war.

Zu den Aufgaben des Betreuerehepaares zählte die Betreuung der Kirche, des Kirchengrundstücks, der Dienstwohnung und der Küsterdienst. Dahlien waren im Garten der Kirche sehr gut vertreten, dank Willy. Der war evangelisch, aber seinem Arbeitseifer tat das keinen Abbruch. Es wurde der Rasen gemäht und der Jägerzaun gestrichen, aber auch in der Kirche war Willy stets am Putzen und Polieren. Für beide muss es wohl mit besonderem Stolz einhergegangen sein, dass ihre Tochter Lori im Jahr 1961 in der Einfelder St. Joseph-Kirche heiratete. In der Reihe der damaligen Betreuer kam 1969 das Ehepaar Maria und Franz Mers. Ihnen folgten 1976 Johanna und Herbert Artz. Das Ehepaar zog 1986 nach Westfalen.

Bei der Recherche über die Katholische Kirchengemeinde stößt man auch auf die Namen der Messdiener. Einer von ihnen war Holger. Für ihn war die Entfernung zur Kirche kein Problem. Er wohnte direkt neben dieser. Das Problem, welches für ihn dadurch entstand, war die Tatsache, dass man vielfach bei Ausfall eines Messdieners den kürzesten Weg wählte und bei ihm klingelte. Und das hatte eine gewisse Regelmäßigkeit, wie er erzählte.

Die Einfelder Kirche war eine „Außenstelle“ der Tungendorfer Heilig-Kreuz-Gemeinde. Der immer größer werdende Priestermangel führte mit der Zeit dazu, dass regelmäßige sonntägliche Gottesdienste nicht mehr gewährleistet werden konnten. Nur sogenannte Werktagsmessen wurden am Mittwochabend abgehalten. Auch die Zahl der Kirchgänger wurde stetig weniger. Das Gemeindehaus und der Garten waren stets ein beliebter Mittelpunkt der Katholiken. Man erinnert sich noch gern an das Frauenturnen am Montagabend.


Zu dieser Zeit war Martina Woltmann Betreuerin. Mit ihrem Ehemann Bernd waren sie das vierte und auch letzte Betreuerehepaar. Ihre Schlussaufgabe war dann die „Schließung“ der Kirche im Jahr 1991. Sie verließen mit ihren Kindern das Wohnhaus der Kirche und zogen an den südlichen Rand von Einfeld. Man kann sich vorstellen, dass einige Gemeindemitglieder Schließungsvorhaben als schwerwiegende Belastung empfinden. Sie verbinden mit dem Kirchengebäude wichtige biographische Ereignisse wie Erstkommunion, Firmung, Eheschließung usw.

Trotz der nur 30 Jahre befand sich die Kirche in einem baulich schlechten Zustand. Eine Sanierung hätte rund eine Million Mark gekostet. 1992 erfolgte der Abriss des Gebäudes durch die Einfelder Firma Herbert Boysen. Das Gestühl und die Schnitzerei „Heilige Familie“ wurden an die Kirchengemeinde Malchow in Mecklenburg-Vorpommern übergeben. Die so entstandene „Baulücke“ wurde alsbald mit einer Wohnbebauung geschlossen, so dass nichts mehr an den Standort einer Kirche erinnert.

War es nach den Kriegsjahren das Bestreben, den katholischen Kirchgängern ein Gotteshaus in 5 km Entfernung zu bieten, so sind es 20 km und mehr im Jahre 2013. Nach der Schließung ihrer Kirche, hatten die Einfelder Katholiken anfangs noch die Heilig-Kreuz-Kirche in Tungendorf (Schließung im Jahr 2013), später bzw. heute nur noch die Katholische Kirche St. Maria-St. Vicelin am Neumünsteraner Hauptbahnhof bzw. St. Marien in Bordesholm oder auch St. Josef in Flintbek.

Es gab in den vergangenen Jahren nicht nur in Einfeld Veränderungen. Überregional gesehen wurde 1995 das Erzbistum Hamburg gegründet und Schleswig-Holstein wurde eine von drei dazugehörenden Regionen. Im nördlichsten Bundesland gibt es knapp 20 Jahre nach der Gründung 7 Dekanate, 36 Pfarreien und 106 Kirchengemeinden. Das Dekanat Neumünster, mit den weiteren Pfarreien Heide, Rendsburg, Bad Bramstedt und Bad Segeberg, hat ungefähr die Größe des Saarlandes und erstreckt sich von Nord nach Süd über ca. 60 km und von West nach Ost über 90 km.

Zum 01. Juni 2010 wurden die früheren katholischen Pfarreien St. Marien in Bordesholm (mit der Filialkirche St. Josef in Flintbek), St. Maria-St. Vicelin in Neumünster (mit den Filialkirchen St. Bartholomäus und Heilig Kreuz) und St. Konrad in Nortorf zu einer einzigen Großpfarrei zusammengeführt. Etwa 8.500 Katholiken gehören zur Pfarrei, mehrheitlich wohnen sie in Neumünster, ansonsten verteilen sie sich auf 56 weitere Orte bzw. Kommunen.

Beim Durchstöbern der vorhandenen Quellen über Erzbistum, Dekanat, Großpfarrei und weitentfernter Kirche findet man auch Namen von Einfeldern und liest von deren nun überregionalem Engagement in der Katholischen Kirche. Es muss aber auch erwähnt werden, dass diese trotzdem vielfach in die Einfelder Gemeinschaft eingebunden sind und hier als aktive Bürgerinnen und Bürger gelten.

Quellen: (1.) Der „Kirchenbote“ Augaben Nr. 16 vom 20.04.86 und Nr. 49 vom 06.12.92 (2.) „Die katholische Kirche im Kreise Rendsburg“ von Pastor Johannes Schallenburger, veröffentlicht 1962 im Wirtschaftsverlag Gerhard Stalling AG, Oldenburg (3.) Die Kirchengemeinde Malchow unter www.hl-waren.de (4.) Fotoarchiv Gerd Buddenberg - Fa Herbert Boysen. (5.) Erzählungen, Aufzeichnungen und Fotos der Einfelder Zeitzeugen Lori Paschke, Michael Hohmann, Martina Woltmann. (6.) Aufzeichnungen einer Ordensschwester unter www.vorsehungsschwestern.de (7.) „Die Geschichte von St. Vicelin“ Pfarrei St. Maria-St. Vicelin unter www.st-vicelin.de

Die St. Josef-Kapelle und das Gemeindehaus am Einfelder Marktplatz.
Die St. Josef-Kapelle ist geschmückt für das Erntedankfest.

Alle Betreuerfamilien auf einem Bild beim 25. Geburtstag der Kirche.

Hochzeitsglocken - Nun trägt Lori Seidenstücker den Namen Paschke.

Montagabend wurde das Gemeindehaus zum Turnsaal.

Taufe von Linn beim Betreuerehepaar Martina und Bernd Woltmann im Jahr 1986.

Draußen brummen die Motorsägen und drinnen wird der letzte Gottesdienst gefeiert.

Ein Bagger in der Kirche ... Stück für Stück entschwindet die Kirche.

Weil die Bausubtanz der Kirche nicht die beste war, kam der Abriss.